UNCOVER - see for yourself

Kapitel E: Lukas 22,66-71; 23,13-25 & 32-56

Willst du mich etwa überzeugen?

Damit verbunden ist manchmal die Annahme: Wer allzu engagiert eine Sache vertritt, wer bewusst andere auf seine Seite ziehen möchte - dessen Sachlichkeit ist nicht zu trauen. Dahinter steckt meines Erachtens ein Missverständnis: Dass es echten Erkenntnisgewinn nur da geben könne, wo man persönlich unparteiisch und nüchtern distanziert argumentiert. Doch für den christlichen Glauben ließe sich sogar das Gegenteil behaupten:

Gerade wer sich Jesus Christus mit Haut und Haaren verschreibt, im Leben und Sterben allein auf ihn baut, sollte ein vitales Interesse daran haben, dass dieser Glaube tatsächlich wahr ist - und echte Anfragen an ihn gerade nicht unterdrücken. So geht es mir jedenfalls!

Eine zweites Motiv kann die Sorge sein, vereinnahmt zu werden. Aber bekehren hat mit überzeugen und nicht mit überreden zu tun. Glaube als Vertrauen kann nur ohne Druck wachsen; nur da, wo ein Mensch sich ihn aus freien Stücken zu eigen macht. Ein "Glaube", der durch Vereinnahmung oder Verkürzung entsteht - ein solcher Glaube ist meist nur ein Strohfeuer und gerade nicht wünschenswert.

Sind Christen etwa bessere Menschen?

Nein, sind sie (leider oft) nicht. Damit ist aber noch nichts über die Wahrheit des christlichen Glaubens ausgesagt. Wenn mein Arzt mir empfiehlt, keinen Alkoholmissbrauch zu betreiben - aber selbst Alkoholiker ist - dann wird dadurch noch nicht sein Ratschlag falsch; nur er als Person wird unglaubwürdig. Wir müssen also zwischen Person und Sache unterscheiden. Nun könnte man einwenden, dass ja nach Aussage der Bibel selbst die Beziehung zu Gott einen Menschen umgestaltet;

das gehört also mit zum Wahrheitsanspruch des Glaubens dazu. Allerdings fängt jeder Mensch, auch wenn er sich zum besseren wandelt, an einer anderen Stelle an. Z.B. ist es für jemanden, der in einem intakten Umfeld aufwächst, viel leichter, auch selbst freundlich, geduldig und konfliktfähig zu sein, als für jemanden mit einem schwierigeren Hintergrund. Die Frage "Sind Christen besser?" ist also zu pauschal; stattdessen könnte man höchstens fragen: "Hat sich dieser einzelne Mensch, seitdem er Christ ist, zum besseren hin verändert?"

Und schließlich: Die Bibel rechnet diesseits des Himmels mit der bleibenden Fehlbarkeit jedes Menschen, gerade des religiösen Menschen. Dass auch Christen fehlbar sind und immer wieder handfest versagen, ist damit niemals zu entschuldigen (nur zu vergeben). Aber es ist trotz allem auch eine Bestätigung gerade dieses biblischen Menschenbilds.